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Wiesmoor_100_Jahre02 Barkhahn un Blitz



Site erstellt am 05.04.2007
aktualisiert am 31.03.2012
durch H.-Jürgen Adams
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Die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor

führt auf der Freilichtbühne den zweiten Teil der
Wiesmoor-Trilogie - Barkhahn un Blitz - auf.

 


 

Das Schauspiel von Erhard Brüchert unter musikalischer Bearbeitung von Gerd Brandt (Laway), Regie Elke Münch, ist - anders als im ersten Teil - nicht am Schicksal einiger Wiesmoorer Familien angelehnt, sondern stellt dar, wie sich das damalige Zeitgeschehen in den Jahren zwischen 1930 und 1965 auf die Menschen auswirkte. Dazu wurden im Sinne einer Revue mehrere Bilder aufgezeigt. Der erste Teil (1930 - 1945) begann mit der Einweihung der evangelischen Kirche, die auf der Ostseite des Nordgeorgsfehnkanals gegenüber dem Torfkraftwerk errichtet wurde. Kurz danach, 1933, kamen die Nazis an die Macht und in beklemmenden Bildern wurde die Ohnmacht des Einzelnen, vor allem wenn er “anders” dachte als die Partei, aufgezeigt. Ein Kommunist, und davon gab es damals etliche in Wiesmoors Proletariat, wurde erbarmungslos zusammen geschlagen. Der erste Mai wurde als “Tag der Arbeit” nationalsozialistisch ausgeschlachtet. Anlässlich der Olympiade 1936 fand ein großes Sportfest statt, das parteipolitisch ausgerichtet war. 1939 begann der Krieg und Pastor Ahlers traute einen jungen Marineoffizier, der später in Wilhelmshaven durch feindlichen Beschuss zu Tode kam. Eine ergreifende Trauerfeier mit militärischen Ehren wurde abgehalten - in einem anderen Bild kam ein Frontsoldat auf Urlaub nach Wiesmoor und leidete - ähnlich wie viele Bundeswehrsoldaten in Afghanistan - an einem Belastungstrauma.
Als der Krieg abschließend auch auf Deutschem Boden statt fand und eine Frau mit mehreren Kindern keinen Schutz im Bunker finden konnte, weil dessen Kapazität erreicht war, wurden die ganzen Menschen verachtenden Strukturen des “Dritten Reichs” mehr als deutlich!

Der erste Teil des Stückes war sehr beklemmend - hoffentlich hilft das, den gegenwärtigen Aufbruch der Rechtsradikalen als ungeeigneten Weg auf zu zeigen.



In der Pause konnte das Publikum sich auf dem Bürgermarkt im Eingangsbereich der Freilichtbühne bei Imbiss und Getränken stärken. Nach etwa 30 Minuten ging es weiter.

Nach der Pause ging es weiter mit Deutschland - und damit auch Ostfriesland - nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft. Heimkehrende Soldaten, britische und kanadische Besatzer, Mangel an allem und “Hamstern” zum Erwerb des Notwendigsten wurde in Erinnerung gerufen. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Einheimischen und Besatzern wurden aufgezeigt und so manche Kriegerwitwe mag dem neuen Partner ins Ausland gefolgt sein.

Später, Deutschland nahm wieder auch an internationalen Veranstaltungen teil, war der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft ein Grund, erstmals aus dem verschämten Büßerdasein der Nachkriegszeit wieder den Blick in die Zukunft zu richten.

Die Zukunft fand statt mit Rock ‘n Roll, Petticoats, Mopeds und dem erstmaligen Beginn einer eigenständigen Jugendkultur.
Aber auch die ersten wirtschaftlichen Rückschläge nach dem “Wirtschaftswunder” traten ein.

Das Torfkraftwerk wurde unrentabel und Öl und Erdgas traten als Energieträger in den Vordergrund.

In den Gewächshäusern der NWK wurden Gemüse, Pilze und Früchte angebaut; auch eine Saatzucht-Firma, Benary, siedelte sich nach dem Krieg hier an.

Somit hielt Wiesmoor auch nach dem Ende des Personal intensiven Torfkraftwerks wegen der inzwischen etablierten Gärtnereien der Wiesmoorgärtnerei und der Blumengenossenschaft in Hinrichsfehn genügend Arbeitsplätze vor, um einen Abzug der Bevölkerung zu verhindern.

Direktor Hinrichs von der NWK hatte an dieser für Wiesmoor so außerordentlichen Entwicklung einen ganz maßgeblichen Anteil!

Der Niederdeutschen Bühne sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt dafür, dass diese geschichtliche Lehrstunde auf künstlerische Art so hervor ragend vermittelt wurde!



Erster Teil der Trilogie: Törf un Strom